Warum wir tun, was wir tun
reset, in Trägerschaft des VAJA e.V., versteht sich als gemeinnützige, nichtstaatliche Beratungsstelle der Distanzierungs- bzw. Ausstiegshilfe und stellt somit eine tragende Säule für die Eindämmung des Rechtsextremismus im Land Bremen dar.  
Unter Distanzierungs- bzw. Ausstiegsbegleitung verstehen wir einen langfristigen und professionell begleiteten Prozess, bei dem die individuellen Bedürfnisse unserer Klient*innen im Mittelpunkt stehen. Wir handeln parteilich im Interesse unserer Klient*innen und verfolgen dabei nicht das Ziel der Informationsgewinnung bzw. –weitergabe. Die Beratung ist
  • freiwillig,
  • vertraulich,
  • kostenlos
  • und auf Wunsch anonym.
Trägerschaft
Das Angebot der Beratungsstelle reset existiert seit Mitte 2014 und befindet sich in Trägerschaft des Vereins zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit (VAJA e.V.). Der VAJA e.V. wurde 1992 gegründet. Seitdem hat er sich zum größten Träger für Streetwork / aufsuchende Jugendarbeit in Bremen entwickelt. Neben sieben Teams in diesem Arbeitsbereich ergänzen drei Beratungsstellen (reset, pro aktiv gegen rechts, kitab) das Angebot von VAJA.
Förderung
Gefördert wird reset im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport im Land Bremen.
Netzwerke
reset beteiligt sich aktiv in regionalen und bundesweiten Netzwerken. Auf Landesebene versteht sich die Beratungsstelle als Teil des Beratungsnetzwerks Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit des Demokratiezentrums Bremen. Als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft “Ausstieg zum Einstieg” e.V. sowie des Nordverbundes Ausstieg Rechts beteiligt sich reset auch auf Bundesebene aktiv am Fachaustausch, der Fortschreibung einheitlicher Qualitätsstandards, ist in themenbezogenen Arbeitsgruppen tätig und tritt als Akteur in Veranstaltungen auf.
Was uns wichtig ist
Vertraulich
reset versteht sich als gemeinnützige, nichtstaatliche Beratungsstelle der Distanzierungs- bzw. Ausstiegshilfe ohne dabei den Auftrag der Informationsgewinnung zu verfolgen, sondern die Bedürfnisse der Ratsuchenden in den Mittelpunkt stellt. Alle Daten, die wir während des Beratungsprozesses erheben, werden streng vertraulich behandelt, d.h. nie ohne deine Einwilligung an Dritte weitergeleitet und nach den Vorgaben des Datenschutzgesetzes verarbeitet, gespeichert und gelöscht.
Parteilich
Wir handeln parteilich, das heißt, wir vertreten die Interessen unserer Klient*innen. Unser solidarisches Engagement zeigt sich beispielsweise bei Begleitungen zu Behörden oder anderen Beratungsinstanzen, bei denen deine Belange und Bedürfnisse im Vordergrund stehen, statt die von Dritten.
Freiwillig
Das Angebot ist freiwillig, das heißt, du entscheidest selbst wie lang und umfangreich die Begleitung aussieht. Auch inhaltlich orientieren wir uns an deinen Anliegen und Zielen oder machen dir Angebote, die du annehmen oder ablehnen kannst.
Kostenlos
Wir verfolgen keine wirtschaftlichen Gewinnziele, sondern wollen möglichst viele Menschen bei der Loslösung vom Rechtsextremismus unterstützen. Daher ist die Beratung und Begleitung durch reset für dich kostenlos.
Klient*innenorientiert & individuell
Sowohl die Ziele der Beratung, als auch der Prozess werden gemeinsam und individuell mit den Klient*innen erarbeitet. Deine Wünsche und Bedürfnisse stehen stets im Vordergrund. Beim Aufbau eines außerszenischen Umfeldes und bei der Entwicklung einer Einstellung, die sich an demokratischen Werten orientiert, versuchen wir die für dich passende Lösung zu finden und zwingen niemandem eine Meinung auf.
Auf Wunsch anonym
Falls du aus diversen Gründen deinen Namen nicht nennen möchtest oder als Signalgeber*in nicht offenlegen möchtest, um wen es dir geht, ist auch das in Ordnung. Wir beraten auf Wunsch auch anonym.
Langfristig & nachhaltig
In der Regel ist die Begleitung ein langfristig angelegter Prozess und endet erst dann, wenn sowohl wir als Berater*innen als auch du selbst beschließen, dass die Beratung beendet ist. Für uns gehört zu einer nachhaltigen Distanzierung auch der Aufbau eines neuen Umfeldes fernab rechtsextremer Strukturen und die Stabilisierung deiner Lebenssituation.
Soziale Neuanbindung
Unter einer nachhaltigen Distanzierung verstehen wir auch die Entwicklung von außerszenischen Angeboten und Möglichkeiten der Freizeit- und Berufsgestaltung. Wir unterstützen dich beispielsweise beim Schreiben von Bewerbungen für einen neuen Job oder überlegen gemeinsam, wie du deine Freizeit außerhalb der rechten Szene neu organisieren kannst.
Systemisch
Unter systemischer Beratung verstehen wir die Beratung und Begleitung von Individuen oder Gruppen in Bezug auf deren jeweiliges soziales System und unter Berücksichtigung des Kontextes. Wir gehen von der Selbständigkeit des/der Klient*in aus und betrachten ihn/sie als „Expert*in in eigener Sache“. Wir arbeiten mit den vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen der Ratsuchenden und orientieren uns am Anliegen und den Wünschen jedes/jeder einzelnen Klient*in. Unsere Haltung ist geprägt von Akzeptanz, Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit und Wertschätzung.
Kooperativ
Sollten mal Problemlagen vorliegen, an denen wir selbst an unsere beraterischen Grenzen stoßen, vermitteln wir gern an passgenaue Beratungsstellen weiter. Das kann beispielsweise anlassbezogen eine Sucht- oder Schuldnerberatung sein. Auch bei einem Umzug vermitteln wir gern an eine Ausstiegshilfe nahe deines neuen Wohnortes. All das geschieht natürlich nur in vorheriger Absprache mit dir und mit deiner Einwilligung.
AUSSTEIGEN IST EIN PROZESS
Wir helfen dir, einen Weg zu finden.

WIR SIND FÜR EUCH DA!
IN BREMEN UND BREMERHAVEN.


Unsere Beratungsstelle hat ihren Sitz in Bremen, daher fühlen wir uns in erster Linie für Menschen zuständig, die in Bremen oder Bremerhaven leben. Innerhalb dieser Grenze sind wir mobil und versuchen euch weite Wege zu ersparen.
Wenn ihr nicht in Bremen lebt, könnt ihr euch dennoch bei uns melden, denn wir vermitteln euch gerne an den/die passende Gesprächspartner*in in eurer Nähe weiter.

WORÜBER MÖCHTEST DU DICH INFORMIEREN?

Hier könnt ihr zu bestimmten Begriffen nachlesen, was wir darunter verstehen
oder nach welchen Definitionen wir uns richten.

Sympathisant*innen

Als Sympathisant*innen sind junge Menschen zu verstehen, die sich selbst als unpolitisch betrachten und ihre Einstellung als gewöhnlich erachten, dennoch vereinzelt rechtsextreme Haltungen vertreten und u.U. zur Wählerschaft rechtsextremer Parteien gehören. Ggf. kommen sie als zu rekrutierender Nachwuchs der extremen Rechten in Frage.

Mitläufer*innen

Mitläufer*innen sind nicht eindeutig von Sympathisant*innen abzugrenzen. Sie kommunizieren jedoch bereits häufiger einschlägige Slogans und verorten sich deutlich in extrem rechten Lebenswelten. Dies kann sich z.B. durch Teilnahme an politischen Aktionen wie Demonstrationen und Aufmärschen sowie Beteiligung an fremdenfeindlichen Diskursen (on-/offline) äußern. Zudem können bereits Kontakte zu Kadern und Aktivist*innen bestehen.

Aktivist*innen

Aktivist*innen rechter Szenezusammenhänge treten bereits organisierter auf, sind häufig überregional vernetzt und Mitglied fester rechter Strukturen wie z.B. Kameradschaften oder politischer Kreisverbände. Evtl. nehmen sie an Schulungen teil, sind in rechten Parteien bzw. deren Angeboten für Jugendliche aktiv und unterstützen diese auf diverse Art.

Kader/ Funktionär*innen

Als Kader werden Personen in Führungspositionen rechter Gruppierungen und Parteien bezeichnet. Sie verfügen über ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild und sind in der Regel bereits langjährig der Szene zugehörig.  Kader bekleiden hohe Ämter innerhalb von Gruppen oder Organisationen und sind oftmals Entscheidungsträger*innen und Organisator*innen bzw. Initiator*innen von internen und öffentlichen Veranstaltungen.

Signalgeber*innen

Unter Signalgeber*innen verstehen wir Personen, die sich selbst keinem rechten Szenezusammenhang zuordnen, die aber aufgrund ihres privaten oder beruflichen Umfeldes jemanden kennen, den sie dort verorten.  Sie nehmen aus einem beobachteten oder erlebten Anlass heraus Kontakt zu unserer Beratungsstelle auf und stellen den Kontakt zwischen reset und der (distanzierungswilligen) Person her, um ggf. eine Distanzierung anzuregen oder selbst Unterstützung im Umgang mit der Person zu erhalten.

Unterstützer*innen

Stellt sich nach einem Erstgespräch mit einem/einer Signalgeber*in heraus, dass die entsprechende Person, selbst (noch) nicht bereit ist mit den Berater*innen von reset zu sprechen, bieten wir Beratungen für Signalgeber*innen an, um einen Distanzierungsprozess über ebendiese Bezugsperson anzuregen. Wir sprechen dann von Unterstützer*innen. Gemeinsam mit den Unterstützer*innen  werden z.B. Gesprächsstrategien erarbeitet, um die entsprechende Person zu einem Ausstieg zu motivieren.  Durch die Beratung erlangt die unterstützende Person Handlungssicherheit in kritischen Situationen.

Rechtsextremismus

In den Qualitätsstandards der Bundesarbeitsgemeinschaft „Ausstieg zum Einstieg“ e.V. umfasst die Definition des Begriffs Rechtsextremismus folgende Dimensionen:

– Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur

– (Nationalistischer) Chauvinismus

– Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus

– Antisemitismus

– Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit

– Sozialdarwinismus

Quelle: Qualitätsstandards der Bundesarbeitsgemeinschaft “Ausstieg zum Einstieg” e.V.

Gruppenbezogene Menschenfeindlicheit (GMF)

GMF beschreibt das Phänomen, soziale Gruppen und Individuen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit als ungleich und vor allem als ungleichwertig im Vergleich zur Eigengruppe zu beurteilen. Dabei ist die tatsächliche Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung und Abwertung nicht relevant, sondern die Mutmaßung über eine Zugehörigkeit und die damit verbundenen Vorurteile sind ausreichend. GMF ist ein Konstrukt, das 13 Facetten/ Einstellungsbereiche umfasst:

– Antisemitismus

– Fremden- und Ausländerfeindlichkeit

– Muslimfeindlichkeit

– Sexismus

– Rassismus

– Etabliertenvorrechte

– Abwertung asylsuchender und geflüchteter Menschen

– Abwertung von Sinti und Roma

– Abwertung homosexueller Menschen

– Abwertung von Trans*Menschen

– Abwertung wohnungsloser Menschen

– Abwertung von Menschen mit Behinderung

– Abwertung langzeitarbeitsloser Menschen

Quelle: Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände, Folge 1-10, 2002-2011, Suhrkamp Verlag.

Rechtspopulismus

Der Begriff des Rechtspopulismus  wird mittlerweile mit einer bestimmten Parteienbeschreibung verbunden. Der Rechtspopulismus stellt eine (politische) Strategie dar, die durch ihre Wortwahl und Themensetzung versucht eine Anschlussfähigkeit an vorhandene Stimmungslagen innerhalb der Gesellschaft herzustellen. Im Rechtspopulismus werden anstelle von rassistischen Unterscheidungsmustern kulturelle Abgrenzungsmotive verwendet. Ziel von Anfeindungen sind dabei überwiegend geflüchtete oder zugewanderte Menschen. Dabei dienen oftmals Ängste vor persönlichem Statusverlust, Unsicherheit der Zukunft und Gefühle der Entfremdung als Argumentationsbasis. Aber auch „die politische Elite“ ist Ziel von rechtspopulistischen Anfeindungen. Hier wird argumentiert, dass regierende Politiker nicht adäquat auf Veränderungsprozesse reagieren und dass sie vor allem die Meinungen „des Volkes“ unberücksichtigt ließen und Konsequenzen für diese ungeachtet hinnähmen. Dabei wird die Komplexität gesellschaftlichen Zusammenlebens stark vereinfacht und gegen eine pluralistische Gemeinschaft argumentiert.

Extrem rechte Mädchen und Frauen

Mädchen und Frauen in der extrem rechten Szene werden oftmals als Gefahr – und Gefährdete von Rekrutierungsversuchen – verkannt. Dem liegt oftmals die sogenannte doppelte Unsichtbarkeit zugrunde: die vor allem mit körperlicher Gewalt assoziierten extremen Rechten scheinen auf den ersten Blick nicht vereinbar mit den klassisch weiblichen Zuschreibungen wie „friedvoll“ oder „diskursbereit“. Zudem wird Mädchen und Frauen eine geringere politische Meinung unterstellt. Beides führt dazu, dass rechtsaffine, rechtspopulistische und rechtsextreme Frauen und Mädchen nicht im Fokus von Forschung, Medien und Öffentlichkeit stehen. Extrem rechte Frauen können jedoch genauso wie Jungen und Männer sehr gefestigt in ihren ideologischen Ansichten sein, greifen aber unter Umständen auf andere Agitationsformen zurück. Beispielsweise nutzen sie ihre Eingebundenheit in soziale Netzwerke (on- und offline) für Rekrutierungsversuche oder versuchen rechte Ideologiemomente in ihren Bezugsgruppen zu verbreiten. Dabei bedienen sie sich ganz gezielt Themen, die Mädchen und junge Frauen ansprechen und zum Anschluss an die „Bewegung“ motivieren sollen, wie z.B. der Angst vor sexualisierter Gewalt gegen Frauen.

Ausstieg

Was ein Ausstieg ist, welche Schritte dazugehören oder vorliegen müssen, damit er als „gelungen“ beschrieben werden kann, ist von jedem Einzelfall abhängig und daher nicht eindeutig durch eine festgelegte „Checkliste“ zu definieren. Die Beratungsstelle reset vertritt in dieser Hinsicht das gemeinsam in der Bundesarbeitsgemeinschaft Ausstieg zum Einstieg e.V. erarbeitete Verständnis eines Ausstiegs:

„Ein gelungener Ausstieg ist das Ergebnis eines professionell begleiteten Prozesses. Er beinhaltet den Verzicht auf Gewalt, die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der menschenverachtenden Einstellung, eine gelungene Distanzierung sowie die Hinwendung zu einer Lebensweise, die mit den Grundwerten von Demokratie und Pluralität zu vereinbaren ist.“

Quelle: Qualitätsstandards der Bundesarbeitsgemeinschaft Ausstieg zum Einstieg e.V.: http://www.bag-ausstieg.de

Distanzierung

Angestoßen wird der Prozess der Distanzierung oft durch die Enttäuschung von Erwartungen, Zweifeln gegenüber rechter Ideologieinhalte, dem Gefühl von Überforderung oder durch Ängste vor körperlicher Gewalt und Aggression. Eine Distanzierung beinhaltet die kritische Auseinandersetzung der persönlichen Einstiegsgründe, individueller rechtsextremer Einstellungen und Verhaltensweisen sowie die Reflexion des szeneinternen Geschichtsverständnisses. Korrelierend hat dieser Reflexionsprozess Auswirkungen auf die soziale Eingebundenheit der Adressat*innen (Freundeskreis, Arbeitsplatz, etc.), sodass während des Beratungsprozesses parallel ein außerszenisches Umfeld aufgebaut wird.